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TAEKWONDO WISSEN

Offizielle Abteilung des VfB Wissen Sieg und der Sportgemeinschaft Westerwald

Rund um Taekwondo als Kampfkunst

Begriff und Inhalt Geschichte und Entwicklung Entstehung und Entwicklung des Taekwondo im 20. Jahrhundert Verbände und Organisationen Taekwondo in Deutschland
Training Formenlauf Wettkampf Bekleidung Gürtel und Graduierungssystem
Stilunterschiede   Traditionelle koreanische Kampfkünste   Verhalten als Taekwondo-Sportler

 

 TKD_Bild_Geschichte

 

Begriff und Inhalt

Der Begriff Taekwondo tauchte erstmals 1955 auf und wurde von General Choi, Hong-Hi (ITF) entwickelt. Weltweit gibt es 2 Taekwon-Do Stile (ITF und WTF), die sich hauptsächlich in der Formausübung und im sportlichen Kampf unterscheiden. Taekwon-Do entwickelte sich während der japanischen Besatzung in Korea und wurde durch das japanische Karate mit beeinflusst. Natürlich gab es lange vor der Einführung des Karate waffenlose Kampfkünste in mehr oder weniger systematischer Form in Korea. Ihr ursächlicher Einfluss auf die spätere Kampfart Taekwondo darf aber mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Erst später, als sich verschiedene Taekwondo-Unterstile herauszukristallisieren begannen, wurden einige Elemente im Nachhinein hinzu ergänzt, wie etwa das im Taekkyon entsprechend vorhandene Verbot des olympischen Wettkampfsystems, mit der Faust den Kopf zu treffen. Das Wort Taekwondo setzt sich aus den folgenden drei sinokoreanischen Silben zusammen:

Tae = "Tritt" (steht für alle Fußtechniken),
Kwon = "Faust" (steht für alle Hand- und Armtechniken) und
Do = "Weg" (wie im Deutschen auch als Methode oder Zielstreben zu verstehen).

Taekwondo als moderner Sport unterteilt sich heute in die einzelnen Disziplinen:

  1. Formenlauf (Tul, Hyong, Taeguk/Poomse): festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgeführt.
  2. Selbstverteidigung (Hosinsul): Selbstverteidigung gegen einen/mehrere unbewaffnete oder bewaffnete Gegner.
  3. Einschrittkampf (Hanbon Kirugi, Ilbo-Matsoki): Ein Schaukampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner. Es gibt allerdings nicht nur den Einschrittkampf sondern auch noch den Zwei- und Dreischrittkampf (Ibo- bzw. Sambo-Matsoki)
  4. Bruchtest (Kyek-Pa): Zerstören von Holzbrettern, Ziegeln oder sonstigen Materialien mittels Taekwondo-Techniken.
  5. Freikampf (Taeryon, Matsoki oder Kyorugi): abgesprochener oder freier Kampf in verschiedenen Kombinationen.
  6. Wettkampf (Chayu Matsoki): Teil- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner.
  7. Grundschule (Kibon Yonsup), Gymnastik (Dosoo Dallyon) und Theorie (Ilon) sollten aber auch ständige Trainingsbestandteile sein.

Durch kontinuierliches Training und bewusste Ausübung dieser Disziplinen sollen die Taekwondoins, so werden alle Taekwondo-Betreibenden genannt, ihren Geist schulen. General Choi Hong Hi, der Begründer des ursprünglichen Taekwondos, hat dies in fünf zu erreichenden Zielen zusammengefasst, die als "Grundsätze des Taekwondo" gelten und wie folgt lauten:

  1. Ye-Ui, die Höflichkeit
  2. Yom-Chi, die Integrität
  3. In-Nae, das Durchhaltevermögen
  4. Guk-Gi, die Selbstdisziplin
  5. Beakjul-bool-gul, die Unbezwingbarkeit

Um diese Ziele zu erreichen, stellte Choi Hong Hi einen Eid auf, dem sich alle Taekwondo-Schüler verpflichtet fühlen sollen:

  • Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwon-Do einzuhalten
  • Ich verpflichte mich, meinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten
  • Ich verpflichte mich, Taekwon-Do nie zu missbrauchen
  • Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen
  • Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten


Auch spielt die "Theorie der Kraft" eine wichtige Rolle. Sie besteht aus:

  • Konzentration
  • Reaktionskraft
  • Gleichgewicht
  • Schnelligkeit
  • Atemkontrolle
  • Masse (Im physikalischen Sinne. Gemeint ist das richtige Einsetzen der Hüfte bei einem Tritt, um seine eigene körperliche "Masse" so effektiv wie möglich in Richtung Ziel zu bewegen, denn Masse x Geschwindigkeit = (auf das Ziel) auftreffende Kraft.
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Geschichte und Entwicklung

Wie in vielen Ländern, aus denen Kampfsportarten hervorgegangen sind, gibt es auch in Korea eine Jahrhunderte alte Tradition an Kampfkünsten. Es ist jedoch kein direkter ursächlicher Einfluss von ihnen auf die Entstehung und anfängliche Entwicklung dessen, was später Taekwondo werden sollte, festzustellen.

Die gelegentlich anzutreffende Behauptung, einer der propagierten Vorläufer des Taekwondo stamme bereits vom legendären Staatengründer Dangun ab, Taekwondo sei somit letztlich über 4000 Jahre alt und somit die älteste Kampfkunst Ostasiens, entbehrt jeder historischen Grundlage. Sie darf vielmehr als Ausdruck eines Unterlegenheitsgefühls patriotischer koreanischer Kampfkünstler insbesondere Chinas und Japans gegenüber verstanden werden, das viel zu oft anzutreffen ist. Dazu gibt es jedoch keinen Grund, denn Korea kann auf eine etwa anderthalb Jahrtausende alte eigenständige Kampfkunst-Tradition zurück blicken, die sich hinter denen anderer ostasiatischer Nationen nicht zu verstecken braucht. Man sollte diese Tradition der Ehrlichkeit halber aber nicht künstlich mit der Entwicklung des Taekwondo vermischen.

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Traditionelle koreanische Kampfkünste

Zur Zeit der Morgendämmerung der Kampfkünste in Ostasien bestand Korea aus drei Königreichen: Goguryeo im Norden, dem westlichen Königreich Baekje sowie dem kleinsten Reich im Südosten, Silla. Ein großer Teil Goguryeos, des größten der drei Reiche, lag damals im Gebiet der heutigen chinesischen Mandschurei. Diese Gebiete gingen verloren, nachdem das kleine Silla mit Unterstützung von Tang-China die beiden anderen Reiche unterworfen hatte. Damals gab es in Silla den Orden der Hwarang, etwa "Blumenknaben", die eine besondere kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Ausbildung erfuhren und zumindest zeitweise auch in kriegerischen Künsten ausgebildet wurden. Vermutlich befand sich darunter auch die aus China importierte waffenlose Kampfkunst Subak, was etwa soviel bedeutet wie "die Schulter drücken". Aus diesem (chinesisch geschriebenen) Subak entwickelte sich vermutlich irgendwann das (in Hangeul geschriebene) Taekkyon, das bis zur Zeit der japanischen Annexion Koreas vor allem im einfachen Volk, also auch bei Gaunern und Räubern, beliebt war. Taekkyon gilt allgemein als genuin koreanische Kampfkunst, deren typische Bewegungsmuster in keiner anderen ostasiatischen Kampfart anzutreffen sind. Aufgrund des während der 35-jährigen Besatzungszeit bestehenden Verbots für Koreaner, Kampfkünste auszuüben, starb diese traditionelle koreanische Kampfkunst beinahe aus. Verschiedentlich wird von den Gründervätern des späteren Taekwondo wie Choi Hong-Hi und Hwang Ki behauptet, sie hätten in ihrer Jugend Taekkyon gelernt, aber weder gibt es darüber Aufzeichnungen, noch kann man die typischen Taekkyon-Elemente wie etwa die tänzerische Wipp-Bewegung oder den Atmungsrhythmus in ihrem ursprünglichen Stil entdecken.

Eine weitere traditionelle koreanische Kampfkunst ist Ssireum, ein Ringkampfstil, den es etwa seit der Joseon-Dynastie gibt. Es ist noch heute ein beliebter Zuschauersport. Im Unterschied zum japanischen Sumo ist es dabei nicht das Ziel, den Gegner aus dem Ring oder auf den Boden zu stoßen, sondern, ähnlich wie beim schweizerischen Schwingen, den Gegner durch Ziehen und Ausheben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein ursächlicher Einfluss dieses traditionellen koreanischen Kampfsports aufs spätere Taekwondo kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Ausgrabungen japanischer Archäologen im Jahre 1935 im Gebiet des heutigen Nordkorea legten Wandmalereien in Goguryeo-Gräbern frei, auf denen je nach Interpretation Tänzer oder Duellisten in Nahkampfposen abgebildet sind. Um welchen Kampfstil es sich dabei handeln könnte, ist heute nicht mehr zu klären, denn außer diesem Bild sind keine schriftlichen Aufzeichnungen darüber gefunden worden. Die häufig auf offiziellen Taekwondo-Seiten zu findende Behauptung, dies sei ein Vorläufer des Taekwondo gewesen, ist reine Spekulation und entstammt dem Reich der Fantasie, nicht der Fakten.

Daneben werden oftmals die Keumgang-Wächterstatuen in Sukkuram als Beleg einer Jahrhunderte alten Taekwondo-Tradition herangezogen. Dies sind zwei Wächter, die in auffälligen Kampfstellungen den Eingangsbereich eines buddhistischen Tempels bewachen. Doch dieser Beleg entpuppt sich als Fehlgriff, denn derartige Figuren finden sich überall in China und sogar Indien (wobei die älteren Figuren Waffen in den Händen halten), und demnach müsste Taekwondo letztendlich aus Indien stammen.

Eine letzte Kampfart, die in Korea vor der japanischen Besatzungszeit vermutlich anzutreffen war, ist Kwon-beop. Doch dies ist definitiv keine traditionelle koreanische Kampfkunst, sondern nur die koreanische Schreibweise des chinesischen Chuan-fa bzw. japanischen Kempo, bedeutet also etwa "Fausttechnik". Tatsächlich hatte diese Kampfart seinen Ursprung in China und kam über die Mandschurei nach Korea. Sie wurde von Soldaten etwa seit dem Ende der japanischen Invasion 1598 als letztes (waffenloses) Mittel auf dem Schlachtfeld trainiert, als ein vergleichsweise kleiner Bereich unter dem großen Angebot an bewaffneten Kampftechniken. Die Kwon-beop-Bewegungen sind in dem militärischen Lehrwerk Muye Dobo Tongji, dem "illustrierten Handbuch der Kampfkünste" von 1790, dargestellt. Dort wird eine Übersichtstafel mit vielen weit ausholenden Armschwüngen durch einzelne, tiefe Fußtritte aufgelockert. Ein ursächlicher Einfluss auf das spätere Taekwondo kann allein schon aus dem Grund der Unterschiedlichkeit der Techniken ausgeschlossen werden.

Die Ausübung von Kampfkünsten erfuhr in der Geschichte Koreas zwei große Dämpfer. Der erste war der Übergang vom Buddhismus zum Konfuzianismus als Gesellschaftsordnung zu Beginn der Joseon-Dynastie. Alles, was mit dem Militärwesen oder dem Kriegswesen zu tun hatte, wurde zugunsten anderer kultureller Errungenschaften gesellschaftlich abgewertet. Ssireum, Subak, später Taekkyon und im Militär Kwon-beop wurden zwar weiterhin ausgeübt und erfuhren in manchen Kreisen regelrechte Beliebtheit. Taekkyon-Spiele etwa wurde gerne auf manchen Festen ausgeübt, besonders von Kindern. Der zweite, weitaus größere Einschnitt folgte auf die Besetzung Koreas durch Japan. Die Ausübung von Kampfkünsten war Koreanern generell verboten, nur in seltenen Einzelfällen scheint dies geschehen zu sein. Die Taekwondo-Begründer haben allesamt japanische Kampfkünste im Ausland gelernt.

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Entstehung und Entwicklung
des Taekwondo im 20. Jahrhundert

TKD_Wettkampf

Nach der Joseon-Dynastie wurde Korea 1910 von Japan annektiert. Alles, was Kultur und Geschichte Koreas ausgemacht hatte, wurde systematisch unterdrückt und verboten. Das galt auch für traditionelle koreanische Kampfarten wie Taekkyon und Ssireum. Die japanischen Besatzer brachten zwar Kampfarten wie Jujutsu, Kendo, Judo, Karate oder Sumo von zuhause mit, aber Koreanern war es offiziell verboten, sie zu erlernen, sodass dies nur in Ausnahmefällen vorkam.

Nachdem 1943 das Verbot fiel, Kampfkünste auszuüben, und mehr noch nach der Unabhängigkeit Koreas im Jahr 1945 kehrte eine Handvoll Koreaner zurück, die im Ausland vor allem japanisches Karate gelernt hatten. Sie eröffneten die 5 ursprünglichen Kampfkunst-Schulen, aus denen später das Taekwondo entstehen sollte:

  • Lee Won-Kukhatte Shotokan-Karate bei Gichin Funakoshi gelernt und begann bereits 1944, Tangsoodo in seiner Schule, dem Cheongdo-Kwan ("Halle des wahren Weges") in Seoul, zu unterrichten. Lee flüchtete 1953 aus politischen Gründen nach Japan und emigrierte 1976 in die USA.
  • Hwang Kilernte ab 1936 in der ebenfalls japanisch besetzten Mandschurei vermutlich Karate, auch wenn er den Stil später als einen chinesischen ausgab. 1945 gründete er in Seoul den Mudeuk-Kwan (etwa "Halle der Kampftugenden"). Seinen Stil nannte er zunächst ebenfalls Tangsoodo, später dann, in Korea, Soobak-Do. Auf internationaler Ebene behielt er den Namen Tangsoodo (geschrieben "Tang Soo Do", abgekürzt TSD) bei, unter dem sein Stil vor allem in den USA heute noch betrieben wird.
  • Chun Sang-Sup hatte Judo und Karate während seines Studiums in Japan gelernt und schloss sich 1946 dem Yeonmu-Kwan an, der größten Seouler Judo-Schule, wo er neben Judo auch Kongsoodo unterrichtete. Chun gilt als im Korea-Krieg verschollen. Seine Schüler änderten den Schulnamen daraufhin in Jido-Kwan ("Weg der Weisheit").
  • Yoon Byung-In kehrte als ranghöchster koreanischer Karateka aus Japan zurück, wo er bei Kanken Toyama (Shudokan-Stilgründer) den 5. Dan im Shudokan-Karate erreicht hatte. Ebenfalls 1946 gründete er den Changmu-Kwan im Seouler YMCA und nannte seinen Stil (vermutlich aus politischen, d.h. anti-japanischen Gründen) Kwon-beop ("Faustmethode"). Yoon wurde vermutlich während des Korea-Krieges nach Nordkorea verschleppt.
  • Ro Byung-Jikhatte zusammen mit Lee Won-Kuk Shotokan-Karate bei Gichin Funakoshi gelernt und trug bei seiner Rückkehr den 1. Dan. Seine erste Schule gründete er bereits vor der Unabhängigkeit in Kaesong im heutigen Nordkorea, zog aber mangels Erfolg 1946 nach Seoul und eröffnete dort den Seongmu-Kwan (abgeleitet von "Seong Do Kwan", der koreanischen Aussprache des japanischen Shotokan).

Alle nannten ihren Stil zunächst Tangsoodo = "Weg der (Tang-)China-Hand" oder Kongsoodo = "Weg der leeren Hand". In beiden Fällen handelt es sich um die koreanische Aussprache dessen, was auf japanisch Karate gelesen wird. Das Wort "Karate" erfuhr in den 1930ern eine Deutungs- und Bedeutungsänderung von "(Tang-)China-Hand" in "leere Hand". In diesen fünf ersten Seouler Taekwondo-Schulen wurde ursprünglich also die eine oder andere Art Karate trainiert, und Ausländern gegenüber wurde es bis in die 1960er Jahre hinein als "Koreanisches Karate" vorgestellt. Allerdings bestanden zwischen den Schulen unterschiedliche Standards für Dan-Prüfungen. So kam es bereits vor dem Korea-Krieg zu ersten Gesprächen über einen eventuellen Dachverband, doch erst während des Kriegs einigten sich die Kwan-Vertreter in Busan auf die Koreanische Kongsoodo-Vereinigung.

Diese erste Vereinigung zerfiel bereits nach wenigen Monaten, weil Hwang Ki gleich darauf in Seoul im Alleingang die "Koreanische Tangsoodo-Vereinigung" gründete, woraufhin auch Son Duk-Sung aus der Kongsoodo-Vereinigung austrat. Son Duk-Sung hatte inzwischen die Leitung des Cheongdo-Kwan übernommen, damals die größte zivile Kampfkunst-Schule.

Kurz nach dem Krieg gelang es Generalmajor Choi Hong-Hi, durch seine Schüler Einfluss auf die Leitung des Cheongdo-Kwan zu nehmen; er selber wurde Kwan-Chef ehrenhalber. Choi hatte Anfang der 1940er Jahre in Japan je nach Quelle den 1. oder 2. Dan im Karate erlangt, bevor er erst der japanischen, nach Koreas Unabhängigkeit der koreanischen Armee beitrat. Bei jeder Gelegenheit trainierte er seine Untergebenen und Kollegen im Karate und traf dabei auf den hochtalentierten Nam Tae-Hi, der Tang Soo Do im Cheongdo-Kwan gelernt hatte und gleich Chois rechte Hand wurde. Nam Tae-Hi beeindruckte Koreas Präsident Syngman Rhee während einer Demonstration im Jahre 1952 mit einem Dachziegel-Bruchtest so sehr, dass dieser Kongsoodo-Training für alle Soldaten anordnete. Dazu gründeten Choi und Nam 1953 den militärinternen Odo-Kwan ("My Way"), der im Laufe der Zeit zur einflussreichsten Kampfkunst-Schule wurde, denn früher oder später musste jeder junge Koreaner das Militär passieren. Somit verschärfte sich die Situation für die anderen Kwan, denn im Militär wurden zunächst nur die Dan-Graduierungen des Choi-hörigen Cheongdo-Kwan anerkannt.

In den späteren 1950er Jahren spitzte sich die Lage auf einen Machtkampf zwischen Hwang Ki und Choi Hong-Hi zu. Hwang organisierte mehrere Tangsoodo-Vorführungen und bemühte sich, seinen Stil über seine Schüler im Militär bekannt zu machen. 1955 organisierte Choi mit Unterstützung der Regierung eine Kommission, die erneut über eine Vereinigung der verschiedenen Kongsoodo-Stile verhandelte. Diese Kommission umfasste allerdings nicht alle betroffenen Kwan, sondern bestand aus Vertretern des Cheongdo-Kwan, des Odo-Kwan, des Militärs und der Regierung. Bei dieser Gelegenheit kreierte Choi Hong-Hi am 11. April 1955 den Namen "Taekwondo", ein Name, der, schmissig ausgesprochen, ganz bewusst an das traditionelle Taekkyon erinnern sollte, auch wenn es keine inhaltliche Verwandtschaft dazu gab. Dieser Name wurde bis in die 1960er Jahre außerhalb von Chois Einflussbereich, also dem Cheongdo-Kwan und dem Odo-Kwan, nicht verwendet.

Hwang Ki kreierte ebenfalls einen neuen Namen für seinen Stil, nachdem er 1957 das alte Buch "Muye Dobo Tongji" (etwa "Illustriertes Handbuch der Kampfkünste") von ca. 1790 wieder entdeckt und ins moderne Koreanisch übersetzt hatte: Soobak-Do, etwa "Weg der schlagenden Hand". Daneben behielt er die Bezeichnung Tangsoodo für seine internationalen Bestrebungen bei, unter der er zunächst lokale Vorführungen und ab den 1960er Jahren internationale Turniere organisierte.

Mit Unterstützung der Rhee-Regierung organisierte Choi 1959 die Gründung der ersten Koreanischen Taekwondo-Vereinigung und wurde deren erster Präsident. Hwang Ki und andere plädierten dabei für den Namen Tangsoodo, aber mittels seiner militärischen Autorität konnte Choi sich durchsetzen. Seine Machtbasis brach aber im Zuge der Studentenrevolution am 19. April 1960 unter ihm zusammen, ebenso die frisch gegründete, aber offiziell noch nicht registrierte Taekwondo-Vereinigung. Hwang Ki nutzte die Gunst der Stunde, und mithilfe eines guten politischen Kontaktes im Ministerium gelang ihm kurz darauf handstreichartig die Registrierung seines eigenen Verbandes, den er in Koreanische Soobak-Do-Vereinigung umbenannte. Damit war der Weg für Taekwondo zunächst verbaut, denn eine zweite Vereinigung für den gleichen Sport registrieren zu lassen war nicht möglich.

Am 16. Mai 1961 putschte General Park Chung-hee, und kurz danach wurde per Dekret Nr. 6 die Neuordnung der Tangsoodo/Kongsoodo/Subak-Do-Registrierung verordnet. Dies hätte die große Stunde des Generals Choi Hong-Hi werden können, doch es gab Differenzen zwischen den beiden Militärführern, und Choi wurde als Botschafter nach Malaysia abgeschoben. Die koreanische Taekwondo-Entwicklung fand für die nächsten 4 Jahre ohne Choi statt. Er entwickelte im Exil allerdings sein Hyong-System (s. u., "Formenlauf") und setzte seine Bemühungen eigenmächtig fort, Taekwondo international, etwa bei den US-Truppen in Vietnam, bekannt zu machen.

Im September 1961 kam es zur Gründung der Koreanischen Taesoodo-Vereinigung ("Korean Taesoodo Association", kurz KTA), wobei man sich auf den neuen Namen "Taesoodo" (etwa "Tritt-Hand-Weg") als Kompromiss zwischen Tangsoodo, Soobak-Do und Taekwondo einigte. Man entwickelte einheitliche Prüfungs- und Wettkampfregeln und schickte Show-Teams ins Ausland.

1965 kehrte Choi Hong-Hi nach Korea zurück, und er wurde gleich zum neuen KTA-Präsidenten gewählt. Sofort änderte er den Namen der Kunst in "Taekwondo" - angeblich wurde die Namensänderung mit einer Stimme Mehrheit beschlossen - und forcierte die Bestrebungen nach Internationalisierung. So kam Taekwondo endlich auch nach Deutschland und führte 1967 zur Gründung des Deutschen Taekwondo-Verbandes mit Ausrichtung der 1. Deutschen Taekwondo-Meisterschaft (s.u., "Taekwondo in Deutschland"). Hwang Kis Mudeuk-Kwan spaltete sich über die Streitfrage, ob man Chois KTA folgen solle oder nicht, und viele seiner Schüler schlossen sich der KTA an. Hwang Ki selbst blieb von der KTA unabhängig und gründete später im Ausland, insbesondere in den USA, verschiedene Tangsoodo-Verbände.

Der permanente Streit zwischen KTA-Präsident Choi und den anderen Kwan-Leitern führte dazu, dass man Choi bereits ein Jahr später nötigte, vom Posten zurückzutreten und ihm im Gegenzug die Gründung eines eigenen Verbandes, der International Taekwon-Do Federation, kurz ITF, zusicherte. Sie wurde am 22. März 1966 in Seoul mit den Gründungsländern Arabien, Deutschland (West), Italien, Korea, Malaysia, Singapur, Türkei, USA und Vietnam vollzogen. Erster und bis zu seinem Tod einziger Präsident war selbstverständlich Choi Hong-Hi.

In den folgenden Jahren wuchs der Konflikt zwischen der KTA und der ITF, sodass man in der KTA eigene Formen entwickelte, die Poomsae (erst acht Palgwe, dann acht Taeguk) und die neun Yudanja (koreanische Aussprache des japanischen "Yudansha", siehe unten, "Formenlauf").

1971 wurde Dr. Kim Un-Yong zum 6. KTA-Präsidenten gewählt. Im selben Jahr stellte sich der südkoreanische Präsident Park Chung-Hee zur Wiederwahl, und weil er eine Krise kommen sah, rief er Ende des Jahres den nationalen Notstand aus. Noch vorher entdeckte er Taekwondo als nationales Erziehungsmittel und fertigte am 20. März 1971 höchstpersönlich eine Kalligraphie an, mit der er Taekwondo zum koreanischen Nationalsport (Kukki Taekwondo, etwa "nationaler Schatz Taekwondo") erklärte. Im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung des Kukkiwon (etwa "Ausübungsstätte des nationalen Schatzes"), des "Welt-Taekwondo-Hauptquartiers" (so der offizielle Titel), das 1972 fertig gestellt wurde. Präsident war ebenfalls Kim Un Yong.

Im selben Jahr verließ Choi Hong Hi vermutlich wegen Verbandsstreitigkeiten Südkorea. Er verlegte den Sitz der ITF nach Toronto in Kanada und begann die Reform seines Taekwon-Do. Als Folge davon wurde am 28. Mai 1973 im Zuge der im Kukkiwon stattfindenden ersten Taekwondo-Weltmeisterschaft die World Taekwondo Federation, kurz WTF, mit Sitz in Seoul gegründet. Auch hier wurde Kim Un-Yong Präsident. KTA, WTF und Kukkiwon arbeiteten nun mit Unterstützung der Park-Regierung Hand in Hand daran, die verschiedenen Taekwondo-Schulen (Kwan) Südkoreas aufzulösen, um ein einheitliches Taekwondo-System durchzusetzen. Hwang Ki gewann zwar diverse Prozesse dagegen, doch der Druck auf ihn und seine Schule wurde immer größer, bis er schließlich nachgab und 1974 in die USA zog. 1976 wurden die noch bestehenden Kwan durch Nummern ersetzt und zwei Jahre später ganz aufgelöst.

Die späteren 1970er und 1980er Jahre waren geprägt durch den Konflikt beider Taekwondo-Weltverbände, respektive ihrer Präsidenten Choi Hong-Hi und Kim Un-Yong. Kim konnte dabei auf die massive Unterstützung seiner Regierung bauen, und so gelang ihm schließlich 1980 die Anerkennung der WTF als Weltfachverband Taekwondo vom IOC. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona war das WTF-Taekwondo als Demonstrationswettbewerb zugelassen, 2000 in Sydney und 2004 in Athen war es vollwertige olympische Disziplin. Einer der Goldmedaillengewinner in Athen war der Taiwaner Zhu Muyan 朱木炎 (Chu Mu-yen). Zu den Besten Sportlern der Welt gehört sicherlich der amerikanische Doppelolympiasieger Steven Lopez, der als einziger Athlet bisher jeweils die Goldmedaille 2000 in Sydney (- 68 kg) und 2004 in Athen (- 80 kg) erringen konnte.

Choi ging einen anderen Weg und besuchte mit einem Team 1981 Nordkorea, wo seitdem ITF-Taekwondo betrieben wird. Das wurde ihm in Südkorea sogleich als Landesverrat angelastet. Bis heute wird sein Name dort weitgehend verschwiegen, und seine Leistungen als "Vater des Taekwondo" werden nicht anerkannt. Er starb 2002 in Nordkorea, Hwang Ki ebenfalls 2002 in Südkorea, und Kim Un-Yong wurde im Juni 2004 wegen Korruption und Veruntreuung zu einer zweieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, aus der er allerdings Ende Juni 2005 im Zuge einer Generalamnestie bereits wieder entlassen wurde.

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Verbände und Organisationen

Allgemein

Taekwondo ist sowohl national als auch international in sehr viele Verbände zersplittert; es lassen sich allerdings zwei dominante Organisationen identifizieren: die beiden Weltverbände ITF (International Taekwon-Do Federation, gegründet im Jahr 1966) und WTF (World Taekwondo Federation, gegründet 1973).

Darüber hinaus gibt es viele unabhängige Schulen, die sich mehr oder weniger an die Verbandsstile anlehnen oder sich am "traditionellen" Taekwondo-Stil orientieren, wie er ursprünglich von General Choi Hong Hi in den 1950er und 1960er Jahren entwickelt wurde (Beispiel: "Traditionelles Taekwondo" nach Kwon, Jae-Hwa).

 

Die zwei größten Verbände: ITF und WTF

Die ITF hat ihren Sitz in Wien, nachdem ihr Gründer General Choi Hong Hi nach Kanada emigrierte und den Sitz der ITF zunächst nach Toronto und dann 1985 nach Wien verlegt hatte.

Die WTF hat ihren Sitz in Seoul (Südkorea), der Gründer ist Kim Un-Yong. Sie wurde 1973 als Reaktion auf die Emigration von General Choi und die parallel stattfindende Verlegung der ITF-Zentrale gegründet. Begründung dafür war, dass Taekwondo als koreanischer Nationalsport seinen Zentralsitz unbedingt in Korea haben sollte. Unter dem Dach der WTF findet das olympische Taekwondo statt, d. h. eine Teilnahme an den olympischen Spielen ist nur als Angehöriger der WTF möglich.

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Stilunterschiede

Aus verbandspolitischen Gründen haben sich im Taekwondo verschiedene Stile entwickelt, auch deshalb, weil sich gerade die großen Weltverbände gezielt weiterentwickeln: vor allem die WTF versucht, den Sport publikumswirksamer und damit die Wettkämpfe attraktiver zu gestalten. Demgegenüber setzen die traditionellen Schulen auf das Althergebrachte, das sie bewahren wollen. Die Stile unterscheiden sich daher vor allem in den Formenläufen, in der Namensgebung der Techniken sowie in der Art des Wettkampfes. Die Techniken selbst sind im Grunde identisch. Hinzu kommt, dass diverse Großmeister den jeweiligen Stil ebenfalls leicht beeinflussen, was dazu führt, dass alle untergeordneten Schulen diesen Stil übernehmen. Dies betrifft vor allem bestimmte Techniken und hier insbesondere den jeweiligen Bewegungsablauf. Einige Großmeister verlangen weiche, fließende Bewegungen, andere kantig-dynamische. Auch die Ausführungsgeschwindigkeit der jeweiligen Technik unterscheidet sich oftmals.

 

Schreibweisen

Zur Abgrenzung musste sogar die Schreibweise des Begriffes Taekwondo herhalten. Traditionell heißt es Taekwon-Do, diese Schreibweise hat auch die ITF behalten. Die WTF schreibt den Namen "Taekwondo". Manche Schulen trennen die Silben komplett und schreiben "Tae-Kwon-Do". Auch Techniken werden manchmal unterschiedlich benannt, obwohl sie in gleicher Weise ausgeführt werden. Das resultiert vor allem darin, dass die Übersetzung der koreanischen Schreibweisen in westliche Schriften nicht ganz eindeutig ist. Daher können solche Bezeichnungen voneinander abweichen (vgl. Taekwondo-Begriffe).

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Formenlauf

Formen (engl. Pattern) sind festgelegte Schritt- und Technikfolgen, sie gleichen einem Kampf gegen imaginäre Gegner und dienen vor allem der Automatisierung von Bewegungsfolgen und dem Training von passenden Atemtechniken.

Der geschichtliche Hintergrund ist angeblich, dass es früher viel zu gefährlich gewesen wäre, einen Trainingskampf gegen einen echten Gegner zu führen - bei Verletzung oder Tod hätte dies zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen (Arbeitskraft in der Landwirtschaft) und entsprechenden Racheakten der Familie des Opfers geführt. Es gibt allerdings noch weitere Theorien über die Entstehung von Formen, die sich in allen asiatischen Kampfarten und in den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten entwickelt haben.

Bei den festgelegten Bewegungsformen unterscheidet man zwischen

  • Poomse (Taeguek/ Palge und Yudanja),
  • Hyong(die traditionellen Formen, von Choi Hong Hi zusammengestellt) und
  • Tul (von Choi Hong Hi später aus den Hyong weiterentwickelt).
Bezeichnung, Name und Relevanz der Form
NummerTaeguek/Poomse1Hyong/Tul2Relevant für...
1 Il jang Chon-ji 8. Kup
2 I jang Tan-gun 7. Kup
3 Sam jang To-san 6. Kup
4 Sa jang Won-hyo 5. Kup
5 Oh jang Yul-gok 4. Kup
6 Yuk jang Chun-gun 3. Kup
7 Chil jang Toi-ge 2. Kup
8 Pal jang Hwa-rang 1. Kup
9 Koryo Chung-mu 1. Dan
10 Kumgang Gwang-gae
Po-eun
Ge-baek
2. Dan
11 Taebaek Eui-am
Choong-jang
Ko-Dang neu: Juche
3. Dan
12 Pyongwon Sam-il
Yoo-sin
Choi-yong
4. Dan
13 Sipjin Yon-gae
Ul-ji
Moon-moo
5. Dan
14 Jitae So-san
Se-jong
6. Dan
15 Chonkwon Tong-Il 7. Dan
16 Hansu   8. Dan
17 Ileyo   9. Dan

¹) Bis zum 1. Kup werden die Formen Taeguek-Poomsen genannt. Alternativ werden Palgue-Poomsen gelaufen. Ab dem 1. Dan heißen sie Yudanja-Poomsen.
²) Es gibt traditionell 20 Hyongs. Dann wurden die 20 Hyongs um weitere 4 Hyongs ergänzt, um symbolisch für die 24 Stunden am Tag auch 24 Hyongs zu haben. Die Hyong Tong-il war die 20. Hyong und wurde dann zur 24. Hyong, da sie für die Wiedervereinigung Koreas steht. Als Gen. Choi anfing die Hyongs zu verändern und sogar eine weitere Form entwickelte, um diese gegen eine andere auszutauschen, benannte er die Hyongs in Tul um.

Und welche Formen zu welchen Prüfungen abgefragt werden varriert von Verband zu Verband.

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Wettkampf

Das Taekwondo hat sich von einem koreanischen Volkssport mit der Verbreitung in der Welt, der Austragung von internationalen Wettkämpfen und der Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele zu einem modernen Wettkampfsport entwickelt. Nach Angaben der WTF trainieren weltweit über 40 Millionen Athleten den dynamischen Vollkontakt-Wettkampfsport, seit der offiziellen olympischen Anerkennung in Sydney 2000 mit steigender Tendenz.

Regelmäßig finden auch Militär-Weltmeisterschaften (CISM) im Vollkontakt-Wettkampf (WTF) statt. Die letzte CISM-WM fand im Oktober 2004 in Warendorf statt, bei der die deutsche Mannschaft mehrere Medaillen gewinnen konnte.

Der Wettkampf (Freikampf) findet auf einem abgegrenzten Feld statt und wird von mehreren Schiedsrichtern bewertet, von einem Kampfrichter geleitet. Der Wettkampf geht über wenige Minuten (olympisch drei Runden über jeweils drei Minuten mit jeweils einer Minute Pause), in denen die Teilnehmer versuchen müssen, mit Taekwondo-Techniken den Gegner zu treffen (Vollkontakt). Je nach getroffener Körperstelle und Trefferwirkung werden Punkte vergeben, bei unsportlichem Verhalten können auch Strafen, d.h. Punktabzüge vergeben werden. Die genauen Kampfordnungen unterscheiden sich von Verband zu Verband, können aber in der Regel auf den Webseiten der Verbände eingesehen werden (siehe Weblinks, unten). Die olympischen Wettkämpfe finden nach den international gültigen Wettkampfregeln der WTF statt. Im Vollkontakt tragen die Wettkämpfer exakt vorgeschriebene Schutzausrüstung (Kopfschutz, Schienbein- und Ellbogenschoner, Tiefschutz).

Als Konsequenz der starken Wettkampforientierung in der olympischen Disziplin werden schwerpunktmäßig Techniken und Kombinationen geübt, die im Wettkampf gemäß der Wettkampfordnung Trefferpunkte bringen. Im Gegensatz dazu besinnen sich die traditionellen Schulen auf ein Taekwondo ohne Wettkampfdruck und üben demzufolge das gesamte Technikspektrum. Dennoch finden auch hier Freikämpfe (meist Leicht- bzw. Semikontakt) statt. Hier stehen allerdings statt der Trefferwirkung eher die korrekte Ausführung der Technik(en) im Vordergrund.

Neben dem Freikampf werden auch Formenturniere ausgetragen, diese Wettkampfdisziplin ist allerdings nicht olympisch.

 

Übersicht

Stil/Verband Formenbezeichnung Wettkampf
WTF (olympisch) Poomse Vollkontakt mit (weichem) Helm, Schutzweste, Tiefschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner sowie je nach Altersklasse auch mit Spannschutz. Ein Zahnschutz ist optional, aber auf vielen Turnieren vorgeschrieben. Im Vordergrund stehen Fußtechniken zum Körper und Kopf. Handtechniken zum Kopf sind aufgrund erhöhter Verletzungsgefahr nicht erlaubt, lediglich Fausttechniken zum Rumpf. Tiefe Fußtechniken (auf die Beine) sind verboten.
ITF Tul Leichtkontakt mit Hand- und Fußschutz. Fußtechniken in allen Varianten und Kombinationen werden kombiniert mit realen Faustkampftechniken, auch Fauststoßtechniken zum Kopf.
"traditionell" Hyong Ohne Kontakt beziehungsweise nur Leichtkontakt, kein Schutz. Bis auf wenige potentiell sehr gefährliche Ausnahmen (zum Beispiel Handkante gegen den Hals) sind alle regulären Taekwondo-Techniken erlaubt. Man darf allerdings den Gegner dabei nicht oder nur leicht berühren.
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Taekwondo in Deutschland

Taekwondo wurde ab 1965 durch die Großmeister Choi Hong Hi und Kwon, Jae-Hwa auch im deutschsprachigen Raum verbreitet (diese Arbeit wurde später von vielen anderen koreanischen Großmeistern unterstützt und fortgesetzt, die zum Teil heute noch in Deutschland ansässig sind). Hervorzuheben ist der langjährige Bundestrainer Park Soo-Nam aus Stuttgart, unter dessen Regie Deutschland ununterbrochen in Folge (1976, 1978, 1980, 1982, 1984) Europameister wurde und zahlreiche Medaillen auf Weltebene hervorgebracht hat. Unter anderem errang das deutsche Team 2 x Gold, 1979 durch Rainer Müller und 1982 durch Dr. Dirk Jung, sowie 2 x Bronze in Korea bei den ersten olympischen TKD-Wettkämpfen 1988 in Seoul durch Markus Woznicki (Europameister 1988) und Michael Arndt (Weltmeister 1987).

Die ersten deutschen Meisterschaften fanden bereits 1967 in München statt. Die ersten WM-Teilnehmer Deutschlands gewannen in Korea 1973 Silber durch Armando Chavero und Bronze durch Georg Karrenberg (beide Leichtgewicht). Ebenfalls in Korea errangen 1975 jeweils eine Silbermedaille Prof. Dr. Wolfgang Dahmen (Federgewicht) und Meinolf Lüttecken (Schwergewicht), sowie Bronze für Hubert Leuchter (Bantamgewicht).

Erster Bundestrainer der Sektion Taekwondo im deutschen Judo-Bund DJB wurde Kwon, Jae-Hwa 1972.

Die Deutsche Taekwondo Union (DTU) ist Mitglied in der European Taekwondo Union (ETU) sowie der WTF, und damit vom NOK als offizieller Verband anerkannt.

Die ITF-D mit Sitz in Köln ist einer von drei deutschen Nationalverbände der ITF und ist deren europäischem Verband und dem Weltverband angeschlossen. Präsident ist seit über 15 Jahren Paul Weiler, 7. Dan. Ein weiterer deutscher ITF-Verband, die Taekwon-Do Federation Germany (TFG) befindet sich mit Hauptsitz in Stuttgart, unter der Präsidentschaft des Herrn Dr. Björn Wolle, 4. Dan. Vizepräsident ist Herr Stefanos Gaidartzakis, 8. Dan. Die NAG, ein weiterer deutscher ITF-Verband, wird von Herrn Tarcisio Martella, 5. Dan in Bochum geleitet.

Seit 2003 findet in Deutschland innerhalb der DTU die Taekwondo-Bundesliga statt, die im Freikampf (olympische Disziplin) den deutschen Taekwondo-Vereinsmeister ermittelt und den Sport publikumswirksam einem breiteren Zuschauerkreis auf regionaler Ebene näher bringt. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann Deutschland erstmalig eine Silbermedaille durch Faissal Ebnoutalib (Herren -80 kg). Der Weltmeister von 1995 Aziz Acharki belegt den 6. Platz (Herren -68 kg) und Fadime Helvacioglu (Damen - 49 kg) schied bei den Frauen in den Vorkämpfen vorzeitig aus.

2003 fand die WTF-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen statt. Etwa 1000 Teilnehmer aus über 100 Ländern nahmen daran teil. Deutschland errang insgesamt drei Medaillen: Silber für Mohamed Ebnoutalib, Bronze jeweils für Thucuc Pham und CISM (Militär-WM) Goldmedaillengewinner Erdal Aylanc. Nach der WM 1979 in Sindelfingen konnte nach 24 Jahren erneut eine Taekwondo WM in Deutschland ausgetragen werden.

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Bekleidung

Der Kampfanzug (Dobok) ist ein Anzug aus leichtem, weißgebleichtem Leinen, der aus Jacke, Hose und Gürtel (Ty) besteht. Er ist strapazierfähig, lässt alle Bewegungen zu, und man kann bei bestimmten Techniken auch mal fest daran zupacken, ohne dass der Anzug reißt. Zur Grundbekleidung kommen ggf. noch Schutzausrüstungen für den Wettkampf hinzu (siehe oben). Jegliche Form von Schmuck (Ringe, Hals-/Fußkettchen, Armbänder/Uhren und große Ohrringe) müssen wegen der Verletzungsgefahr vor dem Training abgelegt werden.

Die Füße bleiben unbekleidet. Ausnahmen gibt es für Sportler mit Fußverletzungen oder ähnlichem, bei Bedarf sollte man den Lehrer fragen. Spezielle Taekwondo-Schuhe gibt es zwar, doch sollten diese nur zu speziellen Anlässen (Vorführungen oder Training im Freien) getragen werden.

Im Taekwondo hat der weiße Dobok sowie der weiße Gürtel auch symbolischen Charakter. Die Farbe Weiß ist rein und kann noch leicht alle anderen Farben annehmen. Sie ist wie ein noch unbeschriebenes Blatt, völlig leer. Ein Schüler im Weißen Dobok ist vergleichbar mit einem noch leeren Glas, in das langsam neues Wissen der Meister eingegossen wird. Der Schüler sollte dieses Wissen und Können "aufsaugen", verarbeiten, um es dann erfolgreich in die Tat umzusetzen. Unabhängig von dieser Bedeutung entstand der weiße Trainingsanzug wohl ganz pragmatisch aus der Tatsache, dass Farbstoffe früher sehr teuer waren. Der Farbe der Gürtel liegt ebenfalls eine Symbolik zugrunde.

  • Der weiße Gürtel wird von Anfängern getragen, die noch unwissend sind und dem Taekwondo offen und wissbegierig gegenüberstehen.
  • Der gelbe Gürtel steht für fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
  • Der grüne Gürtel symbolisiert die ersten Sprößlinge und Früchte, Zeichen dafür, dass sich die Trainingsanstrengungen gelohnt haben und etwas im Schüler heranreift.
  • Der blaue Gürtel steht für den Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze. Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen.
  • Der rote Gürtel repräsentiert eine Signalfarbe, eine Warnfarbe. Der Schüler steht kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit dem Taekwondo zu beschäftigen. Einige Schulen verwenden den braunen Gürtel an Stelle des roten Gürtels. Braun symbolisiert die Borke des Baumstammes, was bedeutet, dass die Techniken sich bereits gefestigt haben und der Schüler kurz davor steht, Meister zu werden.
  • Schwarz und auch der "Schwarze Gürtel" ist die Farbe der Meister und nur diesen vorbehalten. Schwarz vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste alle Farben. Schwarz soll auch die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meister symbolisieren. Daher dürfen auch nur Dan-Träger Doboks mit einen schwarzen Revers tragen, so wie generell alle Verzierungen am Trainingsanzug in Schwarz nur den Meistern zusteht.

Jacke und Hose

Die Jacke soll das Gesäß bedecken, ihre Ärmel reichen mindestens über den halben Unterarm, höchstens bis zu den Handgelenken. Schwarzer Rand und schwarzes Revers ist nur für Danträger zulässig.

Die Hose ist so gearbeitet, dass ein seitlicher Spagat möglich ist. Sie reicht mindestens bis zur halben Wade.

An Jacke und/oder Hose können auch Verbandsabzeichen und Aufdrucke angebracht werden, das regeln die Bekleidungsordnungen der jeweiligen Verbände und Schulen.

Für die erste Schnupperstunde reicht normale Sportbekleidung, sie sollte aber strapazierfähig sein und hohe Beinschwünge zulassen. Wenn man ernsthaft trainieren will, sollte man sich einen Dobok anschaffen.

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Gürtel und Graduierungssystem

Die Graduierungs- beziehungsweise Gürtelsysteme der Kampfsportarten sind erst im 19. Jahrhundert entstanden und wurden erstmals vom Jigoro Kano dem Begründer des Judo eingeführt. Aber auch schon in historischen Zeiten zeigten unterschiedliche Kleider- und Gürtelfarben verschiedene Ränge in der höfischen Hierarchie an (sowohl in Asien als auch in Europa).

Zu Beginn des modernen Taekwondo gab es nur vier Gürtelfarben: weiß, blau, rot und schwarz, die Farben der Koreanischen Flagge. Diese wurden mittlerweile ergänzt durch gelb und grün.

"Der Gürtel ist dazu da, den Anzug zusammenzuhalten!" (alte koreanische Weisheit)

Das moderne Graduierungssystem dient vor allem dazu, den Trainings- und Wissensstand zu repräsentieren. Die Aufstellung beim Taekwondo-Training wird aus praktischen Gründen im Block nach Gürtelfarben geordnet vorgenommen: rechts vorne steht der höchstgraduierte, links hinten der niedrigste Grad.

Die Gürtelgrade sind unterteilt in Schülerklasse (Kup, Zählung abwärts) und Meisterklasse (Dan bzw Poom (WTF; nur 1.-3.) bei unter 15-Jährigen, Zählung aufwärts).

Bezeichnung       Gürtelfarbe
10. Kup       weiß (Neueinsteiger)
9. Kup       weiß-gelb
8. Kup       gelb
7. Kup       gelb-grün
6. Kup       grün
5. Kup       grün-blau
4. Kup       blau
3. Kup       blau-rot
2. Kup       rot
1. Kup       rot-schwarz
1. bis 9. Dan       schwarz (bei Poomträgern (1. - 3. Dan) rot-schwarz längsgestreift)
10. Dan       schwarz (WTF-Präsident)


Gürtelprüfungen finden meist nach festgelegten Schemata (Prüfungsordnung) statt und werden von Meistergraden abgenommen. Sie beinhalten Theoriewissen, Formenlauf und Demonstration von Techniken (abgesprochener Kampf, Freikampf, Bruchtests).

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Verhalten als Taekwondo-Sportler

Taekwondo hat gewaltiges Potenzial, mit einer kleinen Unaufmerksamkeit kann man sich und andere verletzen. Der Lehrer ist für den geordneten Ablauf der Übungsstunde verantwortlich. Er kann aber nicht für lauter Einzelpersonen sorgen, die sich nicht an die Regeln halten. Deshalb müssen den Anweisungen des Lehrers unbedingt Folge geleistet werden, dazu gehört auch, dass man dem Lehrer seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Regeln

Je nach Stilrichtung, Schule oder Großmeister gibt es unterschiedlich strikte, strenge oder verbindliche Ansprüche und Anforderungen an das Benehmen oder das Verhalten der Taekwondoins während einer Trainingseinheit. Je traditioneller Taekwondo ausgeübt wird, desto strenger sind diese Regeln gefasst und desto genauer wird auch auf ihre Einhaltung geachtet. Einige Regeln gelten jedoch grundsätzlich für das Taekwondo und werden nachfolgend aufgelistet:

  • Zum Training erscheint man pünktlich und in sauberer Sportkleidung (Dobok). Hände und Füße sind gewaschen, Finger- und Fußnägel sind kurz gehalten, um Verletzungen vorzubeugen.
  • Während einer Trainingseinheit darf nicht getrunken oder gegessen werden. Kaugummi kauen oder eine Rauchpause sind ebenfalls nicht gestattet. Die gesamte Aufmerksamkeit soll dem Lehrer beziehungsweise dem Übungspartner gewidmet sein.
  • Während einer Trainingseinheit sollte der Trainingsbereich möglichst nicht verlassen werden. Auf die Toilette sollte man vor Beginn des Trainings gehen. In dringenden Fällen meldet man sich beim Lehrer ab, doch sollte bedacht werden, dass jede Unterbrechung den Unterricht insgesamt stört, den eigenen Körper wieder auskühlen lässt und somit Verletzungsgefahr birgt. Außerdem können so Dreck, Steinchen oder Splitter aus dem Gangbereich auf die Trainingsfläche gebracht werden, was ebenfalls zu Problemen führen kann, da viele barfuß trainieren.
  • Bevor das Training beginnt, stellen sich die Schüler vor dem Meister in einer fest vorgegebenen Reihefolge gemäß ihrer Graduierung auf. Der höchste Grad steht dabei immer vorne rechts.
  • Das Training beginnt, wenn der Lehrer den Befehl zur Aufstellung gibt. Üblicherweise wird der Trainer vom ersten Schüler (vorne rechts) auf koreanisch gegrüßt, dann verbeugt sich die Gruppe zum Lehrer und der Lehrer zur Gruppe hin. Einige Schulen legen Wert darauf, dass beim Begrüßungszeremoniell zusätzlich die Fahne Koreas gegrüßt wird.
  • Beim Training darf nicht geschwatzt oder laut gelacht werden. Die Kommandos des Lehrers müssen jederzeit verstanden werden können und müssen auch befolgt werden.
  • Nur der Lehrer oder hohe Graduierungen dürfen anderen Schülern Techniken beibringen oder die Schüler korrigieren. Damit wird sichergestellt, dass die Techniken richtig gelernt werden und sich keine Unsauberkeiten einschleichen. Dies gilt besonders für den Formenlauf, da sich sonst schnell falsche Bewegungsabläufe verbreiten können.
  • Angriffe gegeneinander, Bruchtests, Übungen mit Waffen (z. B. bei Selbstverteidigung) oder andere schwierige Übungen dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Lehrers unter dessen Beobachtung durchgeführt werden. Ansonsten ist die Verletzungsgefahr zu groß.
  • Befiehlt der Lehrer Übungsabbruch (Kommando Gumahn oder Paro), müssen alle Übungen sofort beendet werden.

Zeremoniell und Respekt

Respekt und Formwahrung ist gerade in Asien selbstverständlicher Inhalt des täglichen Lebens. So auch beim Taekwondo.

Ein hervorstechendes Merkmal dieses Zeremoniells ist das Verneigen: Mit der Verneigung wird nicht nur Respekt vor dem Lehrer und dem Übungspartner ausgedrückt, sie dient vor allem der Sammlung und Konzentration. Sie sollte bewusst geschehen, denn sie zeigt an, dass man sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert. Konzentration ist ein wesentliches Element im Taekwondo, sie ermöglicht komplexe Bewegungsabläufe und stellt sicher, dass der Partner nicht versehentlich verletzt wird.

Mit dem Gruß bestätigt man, dass man die Alltagssorgen abstreift, sich auf die bevorstehende Übung konzentriert. Es signalisiert dem Partner, dass man ihn als Person respektiert und darauf achten wird, fair und ohne Gefahr mit ihm zu üben.

"Der Edle verneigt sich, aber beugt sich nicht." (Konfuzius)

Man verneigt sich in der Regel

  • beim Betreten und Verlassen des Übungsraums: Damit übertritt man ganz bewusst auch geistig die Schwelle vom Alltag zum Training und umgekehrt. Wenn Landesfahnen aufgehängt sind (z. B. bei Prüfungen die koreanische neben der nationalen) begrüßt man auch die Fahnen, um dem Ursprungs- und Gastgeberland Respekt zu zeigen.
  • zu Beginn und Ende der Übungsstunde: Schüler und Lehrer bekunden gegenseitigen Respekt und versichern sich ihrer Konzentration auf die Übungen.
  • vor und nach Partnerübungen: Damit signalisieren sich die Partner, dass sie alle Aufmerksamkeit in die Ausübung der Technik legen, so dass der Partner nicht gefährdet wird.
  • vor und nach einem Bruchtest: Taekwondo ist zur Verteidigung gedacht und nicht zum Zerstören. Da beim Bruchtest etwas zerstört werden soll (zum Beispiel ein Holzbrett), fragt der Übende mit der Verneigung gegenüber dem Lehrer oder Prüfer um Erlaubnis nach, ausnahmsweise etwas zerstören zu dürfen.

Die Verneigung wird meist mit dem Kommando Cha Ryut (Achtung!) vorbereitet (Füße nebeneinander im Moa Sogi, Fäuste am gestreckten Arm leicht neben dem Körper, Gegenüber ansehen) und mit dem Kommando Kyong Ye (grüßen, verneigen) eingeleitet (Oberkörper beugt sich 45° vor, Arme mit den Fäusten werden leicht angewinkelt).

"Fremdartiges Zeremoniell" oder "Sportliche Etikette"?

Kulturelle Einblicke eines Großmeisters

Großmeister Song Chae-Yong berichtete in einem Interview 1987 über seine Anfänge als Taekwondo-Lehrer in München und die Unterschiede der Kulturen (aus "Taekwon-Do im Westen", Mönchseulen-Verlag, 1989):

[...]
So habe ich Taekwon-Do an der Volkshochschule gemacht, im Herbst 1972. Damals habe ich viele Fehler gemacht. Ich wollte original Taekwon-Do zeigen und habe ein hartes Training gemacht. Die Leute konnten das aber nicht durchstehen. Ich wollte Taekwon-Do so weitergeben, wie ich es von meinem Lehrer gelernt hatte, auf die gleiche Art, aber die Leute konnten das nicht vertragen und sind immer wieder weggegangen. Daraufhin habe ich das Training milder gemacht.
[...]
Bei uns ist das etwas anderes gewesen. Disziplin ist sehr hart in Korea und besonders ein Judo- oder Taekwon-Do-Trainer gilt als Respektsperson. Man sagt Sahbum-Nim zu einem Meister in den Budo-Sportarten. Wenn also ein Sahbum-Nim das Training leitet, das ist dann vollkommen akzeptiert, was der macht, niemand kann etwas dagegen sagen. Ich habe mich das hier nicht getraut. In Korea ist Sahbum-Nim ein Begriff, aber nicht in Europa, hier denken die Leute: Ach, das ist ja nur ein Trainer! Damals haben wir in Korea streng mit Meditation das Training angefangen, aber ich habe befürchtet, dass die Leute hier das nicht wissen, dass sie es komisch finden, einfach so zu sitzen, mit geschlossenen Augen. In Korea durfte man im Übungsraum, im Dojang, nicht sprechen, man durfte nicht einmal die Zähne zeigen. Man achtete sogar darauf, nicht auf den Schatten des Lehrers zu treten. Ein Lehrer ist für uns eine absolute Respektsperson. Als ich hier in München an einem Gymnasium ein Praktikum machte für mein Diplom als Deutschlehrer, da war ich überrascht von der Atmosphäre des Unterrichts. Das kannte ich nicht. Das waren Schüler der 9. Klasse und die waren natürlich sehr frech. Am Schluss der Stunde packten sie einfach ihre Sachen und rannten weg, ohne zu grüßen. So etwas gibt es in Korea nicht.
[...]
Ein Lehrer ist grundsätzlich eine Respektsperson, also auch ein Sahbum-Nim. Vielleicht hat man aber auch Angst vor ihm, denn er ist ein Do-in, also nicht nur ein charakterlich, sondern auch ein körperlich geschulter Mann. Man fürchtet ihn also auch ein wenig. Für Japaner, Koreaner, Chinesen ist ein Sahbum-Nim ein Begriff, den die sofort verstehen. ..... Was er sagt, das haben wir ohne Kritik angenommen. Wir hätten nie gewagt "Warum?" zu sagen.

Zeremoniell im "Westen"

Gerade asiatische Kampfsportarten gelten meist als Inbegriff des Zeremoniellen. Viele Europäer oder "normale" Sportler machen sich darüber lustig oder finden es unangenehm, sehen vielleicht sogar religiöse oder sektiererische Hintergründe.

Neben den praktischen Aspekten (z. B. Verneigung als Signal, sich auf den Partner zu konzentrieren und ihm keine Verletzungen zuzufügen) gibt es aber auch eine andere interessante Sichtweise: So unbekannt, wie man in Europa immer annimmt, sind Höflichkeitsregeln nämlich gar nicht, wie Beispiele aus typisch europäischen Sportarten zeigen:

  • Beim Reitsport ist das formale Grüßen des Schiedsgerichts durch den Reiter streng vorgeschrieben und führt bei Nichtbeachtung zur Disqualifikation.
  • Bei typisch europäischen Schwertsportarten (zum Beispiel Fechten) wird ebenfalls formal gegrüßt, mit genau festgelegten Abläufen (zum Beispiel das Führen des Floretts zum Gesichtsschutz).

Der Hang zu mystischen Interpretationen und Bedeutungen mag im asiatischen Kulturraum sehr ausgeprägt sein, jedoch sind auch asiatische Beobachter beeindruckt von der Hingabe (inklusive dem Sammeln von symbolischen Gegenständen und Zeichen) der europäischen Fußballfans.

Einschränkungen

  • Die hohen Bein-Techniken des Taekwondo können bei langfristig falscher oder zu kurzer Aufwärmphase und bei falscher Ausführung zu Hüft- oder Muskelschäden (Zerrungen, Muskelfaserrisse und Vernarbung des Muskelgewebes) führen, da schnelle Dehnungen unter Anwendung von Schnellkraft ausgeführt werden.
  • Abhärten von Haut und Knochen durch entsprechende Maßnahmen (Schlagtraining usw.) können auf Dauer schaden, sind jedoch beim Tae-Kwon-Do weniger üblich.
  • Manche Wettkampftechniken, die mit bloßem Fuß getreten werden, würden in einem Ernstfall mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Bruch des Fußgelenkes oder der Zehen führen, wenn diese nicht sinngemäß oder sogar falsch ausgeführt werden. Das gilt natürlich genau so für jede andere Kampfkunst.
  • Ein Teil der Techniken ist im Selbstverteidigungsfall für den Anwender risikoreich, da diese Techniken nur aus der durch Regeln geschützten, aber eingeschränkten Wettkampfsituation ihren Nutzen ziehen. Ein auf sportlich-fairen Wettkampf trainierter Taekwondo-Sportler hat ein eingeschränktes Spektrum von erwarteten Angriffsbewegungen, -kombinationen und Verteidigungen eintrainiert (Engrambildung automatisierter komplexer Bewegungsmuster). Er ist gegenüber skrupellosen und kompromisslos davon abweichenden Angriffen eher hilflos, sofern er nicht ebenso derartige Erwartungs- und Bewegungsmuster ausbildet, was für ihn im Wettkampf wiederum eher hinderlich sein kann.
  • Im Ernstfall (Selbstverteidigung) sollte bei der Anwendung einer Beintechnik der erste Tritt sitzen und den Gegner kampfunfähig machen, denn Tritte sind, wenn sie nicht korrekt ausgeführt werden, durch den längeren Weg langsamer als Armtechniken und öffnen, wenn falsch ausgeführt, die eigene Deckung. Andererseits sind diese natürlich weitaus wirkungsvoller und effektiver (mehr kinetische Energie, längere Kampfdistanz, Überraschungseffekt).
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Training

Dem Trainer steht es frei, wie er sein Training aufbaut. Vor Prüfungsterminen wird in der Regel nochmals der Prüfunsgsstoff intensiv durchgenommen.

Typische Trainingskomponenten sind:

  • Aufwärmen und Muskeldehnung: Beim intensiven und richtigen Betreiben von Taekwondo werden die meisten Muskeln und Bänder des Körpers eingesetzt. Deshalb ist es wichtig, den gesamten Bewegungsapparat durch gezielte Übungen aufzuwärmen. Auch zwischendurch werden immer wieder einzelne Partien aufgewärmt oder Dehnungsübungen durchgeführt, manchmal in Form von Taekwondo-Techniken.
  • Grundschule: einzelne Techniken oder auch Kombinationen vertiefen das Verständnis für Abläufe und Möglichkeiten der Bewegung. Hierbei kommen auch sogenannte Pratzen zum Einsatz. Dies sind Schlagpolster mit Griffen, die als Ziel für voll ausgeführte Hand- und Fußtechniken dienen.
  • abgesprochener Kampf: ohne Verletzungsgefahr, aber realistischer als die Grundschule ist der abgesprochene Kampf. Ein Angreifer agiert mit vorher abgesprochenen bzw. vorgegebenen Angriffstechniken, der Verteidiger reagiert mit gelernten Abwehr- und Kontertechniken. Man unterscheidet den Einschritt-, Zwei- und Dreischritt-Kampf (Ilbo-, Ibo-, Sambo-Taeryon) und den begrenzten Freikampf (Ban Ya Yoo).
  • Freikampf: Auch im nicht abgesprochenen Kampf (Chayu-Taeryon) wird die korrekte Ausführung von Techniken als Reaktion auf die Aktionen des Partners trainiert. Dies setzt eine hohe Körperbeherrschung und Konzentrationsfähigkeit voraus. Beim speziellen Freikampf nur mit Füßen (Yokgi) dürfen keine Handtechniken verwendet werden. Die hohen Beintechniken, Dreh- und Sprungkicks sind ein Markenzeichen des Taekwondo. Schläge unter die Gürtellinie und Angriffe zum Rücken sind dabei nicht erlaubt. Für Wettkämpfe gibt es eigene Regeln im jeweiligen Verband.
  • Formenlauf: formalisierte und einstudierte Abfolge von Techniken (Hyong, Poomse) als Kampftraining gegen imaginäre Gegner.
  • Meditation: Im Anschluss an das Training kann gezielt ein kurzer Moment der Stille erfolgen, um sich zu sammeln und die im Training konzentrierte Energie wieder "alltagstauglich" zu machen.
  • Theorie: zur Taekwondo-Geschichte und Hintergründen, zu Techniken, Regeln und rechtlichen Aspekten (z. B. Notwehr).

Atemtechnik

"Atmen ist sehr gesund" (alte koreanische Weisheit)

Eine gute Atemtechnik gibt Kraft und Energie (koreanisch Ki), eine kontrollierte Atmung verbirgt dem Gegner, ob man angreifbar oder verletzlich ist.

Beim Kampfsport atmet man über das Zwerchfell ("Bauchatmung" - das Anheben der Bauchdecke zieht das Zwerchfell nach unten und füllt die Lunge), im Gegensatz zur zu flachen ausschließlichen Brust-Atmung. Durch die Nase wird eingeatmet, ausgeatmet durch den Mund.

Eine laut hörbare Atmung ist eine gute Methode um am Anfang den Schülern die Atmung bewußt zu machen und den richtigen Atem-Rhythmus zu lehren. Fortgeschrittene sollten diese laute Atmung jedoch nur bei expliziten Atemübungen verwenden. Im Kampf ist dies eher kontraproduktiv, da sich ein Gegner anhand der deutlich hörbaren Atmung einen günstigen Zeitpunkt zum Angriff heraussuchen kann. Während der Atemphase ist kaum eine schnelle Reaktion möglich, die Wirkung eines Treffers ist deutlich höher. Während eines Kampfes soll also möglichst verdeckt, aber trotzdem korrekt und kräftig geatmet werden.

Kampfschrei

Der Kampfschrei (Kihap) erhöht die Anspannung des Körpers zum Zeitpunkt des Kontaktes mit dem Gegner, um der Technik höchste Kraft und Kontrolle zu verleihen, die Konzentration zu steigern. Mit der dadurch erzwungenen Auspressung der Luft und Anspannung der Muskulatur sind die Atemwege weniger empfindlich gegen Konterschläge, ein Gegentreffer auf die Brust (oder ein Sturz auf Brust/Rücken) in der Ein- oder Ausatemphase wäre sehr unangenehm. Im Kampf dient der Kihap natürlich auch der Einschüchterung des Gegners. Bei Partnerübungen zeigt der Kampfruf den Beginn und das Ende der Techniken an.

In der Atemtechnik nimmt der Kampf-Schrei (Kihap) daher eine Sonderstellung ein. Um die damit erwünschte Wirkung zu erzielen, muss er richtig mit Kraft aus dem Bauchraum kommen. Anfänger neigen dazu, nur die Stimmbänder zu benutzen und belasten diese dabei unnötig - außerdem erreicht man damit nicht viel. Richtig ausgeführt, erzwingt der Kihap eine reine, richtige Zwerchfell-Atmung im entscheidenden Moment.

Bei jedem hört sich der Kampfschrei anders an. Je nach Situation vielleicht wie "YO", "YA", "ISS", "USS", "HA" oder ähnlich.

Der Kampfschrei kann verschieden stark ausfallen. Wenn man ihn als Signal zu Übungsanfang oder Übungsende benutzt, muss man den Partner nicht groß anbrüllen. Ein energischer Luftstoß "HA" genügt (und schont die Stimmbänder). Steht man dagegen vor einer ernsthaften Hürde, wie zum Beispiel einem Bruchtest, kann man seine Energien (Ki) mit einem sehr kräftigen Kihap "I-YA" schon besser sammeln.

Stellungen

Um die Abwehr- und Angriffs-Techniken im Taekwondo durchführen zu können, gibt es einige typische geeignete Stellungen (koreanisch Sogi). Je korrekter die Stellungen eingenommen werden, desto stabiler ist die Basis für eigene Techniken. Je nach Stilrichtung unterscheiden sich auch die Begriffe für die einzelnen Stellungen, Tritte oder Schläge leicht voneinander. Die Bewegung aus den Stellungen heraus und deren saubere Durchführung ist wichtiger Inhalt des Trainings.

Die gebräuchlichsten Stellungen sind:

  • Chariot Sogi: Achtungsstellung - Die Fersen berühren einander, die Füße zeigen 22,5° nach außen
  • Junbi Sogi oder auch Narani Sogi: Vorbereitungsstellung - Füße etwa Schulterbreit auseinander, die Fäuste sind vor dem Gürtel (Unterbauch)
  • Moa Sogi: geschlossene Stellung, die Innenseiten der Füße berühren sich
  • Ap Gubi oder auch Chongul Sogi: eine breite und tiefe Stellung (tiefer Schwerpunkt - vorderes Bein ist wie nach einem sehr langen Vorwärtsschritt gebeugt (ca. 90°), hinteres Bein bleibt gestreckt, ideal auch im Zusammenhang mit einem Ausfallschritt für Fauststöße geeignet, gleichzeitig kann man sehr schnell in andere Stellungen wechseln.
  • Ap Sogi: eine kurze Stellung wie bei einem einfachen Schritt, kommt vor allem häufig in den Formenläufen vor und ist auch ideal um sehr schnell in andere Stellungen zu wechseln.
  • Dwit Gubi oder auch Hugul Sogi: eine typische Verteidigungsstellung. Die Füße stehen L-Förmig (vorderer Fuß zum Gegner, hinterer Fuß um 90° nach außen gedreht), das Körpergewicht lastet zu 2/3 auf dem hinteren Fuß. Der Vorteil ist, dass der Körper durch Pendelbewegung leicht aus der Angriffslinie des Gegners herausgebracht werden kann und der vordere Fuß zu schnellen Kontertritten verwendet werden kann (weil er schnell gewichtsfrei ist).
  • Kima Sogi oder auch Chuchum Sogi: die Reiterstellung, auch weit auseinander und tief. Für viele Handtechniken eine ideale Position, auch für schnelle Seitwärtsbewegungen geeignet.
  • Koa Sogi: Überkreuzstellung, die Beine sind überkreuzt, der Fuß des Standbeins steht voll am Boden, der andere Fuß berührt nur mit dem Fußballen den Boden, beide Knie sind leicht gebeugt, der Oberkörper ist aufrecht und der Blick geht in Angriffsrichtung.

Hand- und Armtechniken

Die Hand und die Arme werden in ihrer ganzen Länge für Blocks (Abwehr und Stopp von Angriffen) und Wirkungstreffer benutzt.

Typische Schlag- und Stoßformen sind:

  • Jirugi: Fauststoß
  • Sonnal Chigi: Schlag mit der Innenhandkante und mit der Außenhandkante
  • Batangson Jirugi: Handballenstoß
  • Palkup Chigi: Ellbogenstoß
  • Dung Jumok Ape Chigi: Handrückenschlag
  • Pyonson Kut: Fingerspitzenstoß

Typische Block- und Verteidigungsformen sind:

  • Makki: Unterarmblock
  • Arae Makki: Beinblock bzw. Unterarmblock nach unten
  • Momtong Makki: Körperblöck bzw, Unterarmblock von außen vor dem Oberkörper
  • Olgul Makki: Kopfblock bzw. Unterarmblock nach oben
  • Momtong An makki oder An palmok bakkat makki: Unterarmblock vor dem Körper von innen
  • Sonnal Makki: Entsprechende Abwehr mit der Innenhandkante und mit der Außenhandkante vor den Beinen (Sonal Arae Makki), Körper oder Kopf.

Fußtechniken

Im Taekwondo haben die Fußtechniken eine besondere Bedeutung, im Unterschied zu anderen Kampfsportarten werden sie hier besonders betont. Durch intenisves Training kann man auch mit Fußtechniken schnell und hoch treffen.

Der Vorteil ist, dass man damit eine relativ große Reichweite hat, in der man mit der kräftigen Bein-, Po- und Rückenmuskullatur sehr wirkungsvolle Treffer landen kann. Zudem gibt die Nutzung der Beine dem Teakwondo-Kämpfer zwei zusätzliche Möglichkeiten, die für den Gegner z.T. recht überraschend eingesetzt werden können, weil der Ansatz außerhalb seines Sichtbereiches liegt. Einen besonderen Überraschungseffekt erzielen Sprünge oder Techniken aus einer Drehung, ggf. sogar Mehrfachdrehung heraus. Auch überraschend sind Kombinationen aus Block und Kick mit dem Bein oder eben Fuß.

Ziele sind hierbei vor allem Solarplexus, unterer seitlicher Rippenbogen, Kinn/Gesicht, Stirn- und Schläfenbereich aber auch Schenkel und Kniegelenk. Fußtechniken können auch zur Abwehr und zum Blocken gegnerischer Angirffe genutzt werden.

Typische Fußtechniken sind:

  • Ap-Chagi: Frontkick. Gerader Fußstoß nach vorne. Trefferfläche ist der Fußballen oder der Fußrücken (z.b. im WTF-Wettkampf)!
  • Yop-Chagi: Seitwärtstritt. Seitlich gedrehter Stoß nach vorne. Trefferfläche ist die Fußaußenkante bzw. die untere Ferse
  • Dwit-Chagi: Rückwärtstritt. Ein über den Rücken gedrehter mit dem hinteren Fuß ausgeführter Tritt. Trefferfläche ist die untere Ferse oder auch die gesamte Fußsohle
  • Dolyo-Chagi: Drehtritt (Halbkreisförmig nach vorn). Ein aus der Hüfte gedrehter, von der Seite kommender Fußtritt. Getroffen wird mit dem Fußballen oder auch mit dem Fußrücken.
  • Pandae-Dolyo-Chagi oder auch Dwit-Dolyo-Chagi: Fersendrehschlag. Ein über den Rücken gedrehter mit dem hinteren Fuß getretener Kreistritt, getroffen wird mit der Ferse.
  • Hurio-Chagi oder Gygolo-Chagi: Peitschentritt. Eingedrehter Fuß von unten kommend, kann damit ein seitlich stehender Gegner hoch mit dem Fußballen getroffen werden
  • Naeryo-Chagi: Schwung- oder Abwärtstritt. Ein mit fast durchgestrecktem Bein ausgeführter hoher Tritt von oben nach unten. Für Angriffe mit der Ferse auf den Kopf oder Brustkorb geeignet
  • Twio-Chagi: Sprungkick. Entsprechend der oben genannten Kickarten wird ein gesprungener Front Kick Twio Ap-Chagi genannt usw.

Bruchtest (Kyek Pa)

Sieht spektakulär aus, hat im Training aber nur geringe praktische Bedeutung: das Zerschlagen von Brettern, Ziegeln und Steinen. Diese Fähigkeit ergibt sich aus dem konsequenten Training von Kraft, Schnelligkeit und Genauigkeit einer Technik. Der Bruchtest verdeutlicht, dass beim Taekwondo durchaus gefährliche Kräfte wirken können, die mit exakter Technik ins Ziel gebracht werden.

Die Kraft, Geschwindigkeit und Technik eines Schlages oder Trittes wird bei Prüfungen (und Vorführungen) in der Regel an 30x30 cm großen und ca. 3 cm dicken Fichtenbrettern demonstriert. Für Kinder und Damen gibt es dünnere Bretter, man kann aber auch mehrere Bretter zur Erhöhung des Schwierigkeitsgrades übereinander legen. Noch schwieriger wird es, wenn man seine Technik an einem frei stehendem bzw. nur einseitig gehaltenem oder sogar an einem geworfenem Brett demonstrieren muss. Weitere Möglichkeiten sind auch die Durchführung der Technik im Sprung oder gleichzeitige Techniken an verschiedenen Brettern.

Ziegel, Kokosnüsse und andere Gegenstände dienen nur der spektakulären Show bei Vorführungen.

Selbstverteidigung, Kampf

Die Selbstverteidigung ist heute nurmehr ein Nebeneffekt des eher sportlich orientierten Taekwondo. Natürlich sind alle Übungen darauf ausgerichtet, sich auch im Ernstfall gegen einen Gegner behaupten zu können. Einige spezielle Selbstverteidigungs-Techniken ("Hosinsul") ermöglichem dem Geübten dann auch, Angreifer schnell abzuwehren und unter Kontrolle zu bringen.

Es ist jedoch einiges an Training erforderlich, derjenige der schnell ein paar Tricks für die nächste Schlägerei sucht, wird hier nicht fündig werden. Erst in höheren Graduierungen wird auch der Kampf gegen Gegner gezielt mit Trainingskämpfen geübt.

Auf alle Fälle stärkt Taekwondo das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und trägt schon allein dadurch dazu bei, auch in Konfliktsituationen kühlen Kopf zu bewahren und sich behaupten zu können.

"Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen." (Sun Tsu) 
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